Einen Platz im Himmel

19. Juni 2020 Aus Von Wandereremitin

 

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Einen Platz im Himmel

 

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„Wir machen ja alle mal Fehler … Der liebe Herrgott ist barmherzig … Na ja, ich hoffe schon auf einen guten Platz im Himmel.“ 

Dieser emotionale Ausbruch einer mir als äußerst folgsam bekannten Seniorin, hat mich soeben zutiefst berührt. Diese kleine zarte Frau, die keine hl. Messe auslässt und dazu reich an gutherzigen Werken einem jedweden Nachbarn in der Gemeinde ist, sorgt sich um ihren „Platz im Himmel“. Wer hätte das vermutet. Und so fällt mir angesichts ihres Zwiespaltes, just nur Jesu Wort aus dessen erster Abschiedsrede (Joh 14,1-2) ein:

 

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!

 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. 

Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: 

Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“

 

Kaum ausgesprochen, verabschiedet sich diese redliche Schwester flugs – jetzt strahlenden Blickes: „… hab’ einen Termin beim Doktor!“ 

 

Und derweil die Augen der Eilenden nachblicken, sinniert der Verstand: „So sind wir alle verschieden in unserem Verständnis über den physischen Tod. Dieweil diese Frau auf einen ‚guten‘ Platz im Himmel hofft, wähnen sich andere dessen doch absolut sicher … Und ich? … Nein, nach den Himmeln verlangt es mich nicht. Ebenso wenig wie nach der Erde. Sondern: ‚Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, einzig nach dir.‘“ (Ps 42,2)

 

Denn die Erde bin ich durchwandert, die Himmel offenbarten sich mir in christlicher Schau – nichts fand ich darin, was mir nicht schon bekannt war. Mich indes verlangt es nach dem Unbekannten, dem Ewigen. Darauf zielt alles Sehnen in mir ab. Gott ist Geist (Vgl. Joh 4,24) – von daher; in diesen „Vatergeist“ allein, halte ich konstant mein Bewusstsein deponiert. Kompromisslos, vermittels jenes alternativlos, sprich einzig dazu vorherbestimmten „Paternosteraufzuges“ namens: Jesus Christus.

 

Folglich versteht es sich von selbst, dass mir dieses Erdenleben nicht umnachteter Wahrnehmung – hervorgerufen durch Tiefschlaf und/oder pharmazeutischer Drogen –, sondern „sehend“ beendet wird. Zu jener Stunde „des Aufstiegs“ zum ewigen Vater hin, in der mein sterblicher Leib um eben dieses verkündet und gelebten Christusglaubens wegen, gedemütigt, geächtet und getötet wird. 

Wo nicht, Geliebte, da hätte ich den Sinn allen jüngerschaft-christlichen Lebens absolut verfehlt und nicht ein einziges Wort sowie Machwerk meiner Hände darf folgend jemals beachtet werden. Denn dann lebte ich vor Gott nur wie ein weiterer Toter unter den Bewohnern der Erde, ohne jeglichen Bezug zum Reich Gottes – dem „Land der Lebenden“. Amen!