Man braucht eine Lebensentscheidung

7. August 2020 Aus Von Wandereremitin

 

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Man braucht eine Lebensentscheidung

 

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Zu meiner Taufe, 2002, erhielt ich eine Karte von einem mir innigst im Herzen liegenden, ungarischen Priester, folgenden Inhalts:

 

„Liebe Pia Maria,


für deinen Lebensweg wünsche ich dir alles Gute und besonders viel Gnaden, Segen Gottes! Helfe dir Gott selbst auch weiter nur Ihn zu suchen und zu finden – in allen Dingen! Wie finde ich meinen Weg? Ja, wirklich schwierige Frage. Man braucht eine Lebensentscheidung. Aber ‚nur eines ist notwendig‘. Ich hoffe, du kannst das Bessere wählen! Mit herzlichem Gruß István“

 

Zehn Jahre später bereits, konnte ich diesem Priester antworten: „Lieber István, ‚das Bessere‘ war mir noch zu wenig, ich durfte ‚das Beste‘ wählen: Gott allein!“

 

Und so ist es bis heute geblieben. Des Seelenhirten Karte und Wort verließen mich zwischenzeitlich nie. Denn wenn ich sie zwischendurch auch immer mal wieder vollständig vergesse, stecken sie bis auf den heutigen Tag in jener Heiligen Schrift, in der ich alltäglich lese: Und fallen mir justament getreu in jenen Momenten in die Hand oder den Sinn, in denen ich den ewigen Vater, in dem Sohn Jesus Christus, – mal wieder – nach „dem rechten Weg“, bzw. dessen „liebsten Willen“, befrage.
Die Karte ist schon abgegriffen, die Ecken geknickt, die Kanten wellig. Auch ist die rote Tinte der Schreibschrift darauf, mit den Jahren abgeblasst. Und doch, die wesentliche Aussage ihrer ist mir unmittelbar präsent, sobald mir die Karte nur wieder ins Bewusstsein kommt: „Man braucht eine Lebensentscheidung. Aber nur eines ist notwendig!“

 

Genau! So mühelos ist das. Denn es gibt de facto auf Erden keine Vielzahl an Entscheidungsmöglichkeiten, da von Hause aus eben „nur eines notwendig ist“ (Lk 10,42): Gott zu vertrauen!

 

Indes, da werden von mir zigtausend imitierte Anfragen in den Äther gestellt, die allesamt dazu führen „das eine Notwendige“ aus den Augen zu verlieren, bzw. mich explizit davon abhalten, nunmehr dem Meister nachfolgend, stets nur die einzig nötige Frage zu stellen – derweil mir selbst und zugleich dem Mitbruder:

 

„Sage mir: Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder vom Menschen?“

(Lk 20,4)

 

Für mich als Christgläubige gibt es darauf nur eine Antwort: „Vom Himmel – versteht sich.“ Aber auch, nicht anders steht es um diese unerlässliche Frage, ohne deren Aufklärung eine authentische Lebensentscheidung, wie überhaupt jedwede Entscheidung, schon gleich gar nicht möglich ist:

 

„Sage mir: Stammt die Heilige Schrift vom Himmel oder vom Menschen?“

 

Vom Himmel, sagst du dir? Dann erübrigen sich alle weiteren Fragen. Bleibt nur eines zu tun: allein den Anweisungen aus dieser „himmlischen Schrift“ zu folgen. Bei aller Konsequenz, bis zum Tod am Kreuz, versteht sich.

 

Von hier aus ergeben sich dann alle Antworten von selbst, auf Fragen wie diese hier:

 

„Sage mir: Stammt das Altarsakrament von Gott oder dem Menschen?“

 

Von Gott, sagst du dir? So ist und bleibt es ergo folgenschwerer Frevel, einem Gläubigen den Empfang des Heiligen Leibes Christi zu verwehren – wie es an Millionen geschah, über Wochen lang, grundlos, daselbst zudem am Auferstehungsfest unseres Herrn 2020.

 

„Sage mir: Woher stammt die Berufung eines Menschen zum Priester?“ „Woher das Sakrament der Buße?…“

 

Und so weiter … Diese einzig nötigen – und doch nie gestellten – Fragen stellen in ihrer letzten Konsequenz die Grundlage zu jener mühelosen Entscheidungsfindung dar, bei der alle selbstzerstörerische Säkularisierungstendenz derzeit in der Kirche, ihr schnelles Ende fände.

 

Ja, es braucht hier eine finite Lebensentscheidung. Aber nur eines ist notwendig. Ich hoffe, die Kirche – Bischöfe, Priester, Ordensstände sowie Laien darin – darf bald wieder „das Bessere“ wählen. Amen!